Das brachycephale Syndrom

von Jan Durr Grebe
(Erstveröffentlichung in "The French Bullytin", Vol. 7, Sommer 1989)

Wie oft haben Sie schon von einer Französischen Bulldogge gehört, die jung, plötzlich und ohne Vorwarnung starb und deren Tod allgemein auf eine "Herzattacke" zurückgeführt wurde?
Solche Todesfälle, die meist dann auftreten, wenn der Hund sich aufregt, anstrengt oder überhitzt hat, sind gerade deshalb so schrecklich, weil sie so unerwartet kommen.
Zwar stimmt es, dass bei diesen Hunden das Herz zu schlagen aufhört; aber könnte das nicht auch die Folge einer anderen Ursache sein? Eine mögliche Ursache für solche Todesfälle kann ein akuter Atemwegkollaps sein, der seinerseits die Folge einer langwierigen Atemwegsblockade ist, wie wir sie nur all zu oft bei Französischen Bulldoggen mit ihren engen Nasenlöchern, zu langen Gaumensegeln und dem durch starke Faltenbildung und die Wulstzunge beengten Nasen- und Rachenraum finden.

Um dieses brachycephale (brachycephal = kurzschädelig) Syndrom zu verstehen (unter Syndrom versteht man eine reihe von Symptomen, die alle zusammen ein Krankheitsbild oder eine Abnormität charakterisieren), müssen wir zunächst betrachten, wie der Atemmechanismus normalerweise funktioniert und verstehen, wie er bei kurzschnäuzigen Hunden behindert ist.

Wie wir Menschen, so ziehen auch Hunde durch die Erzeugung von Unterdruck Luft in die Lunge ein. Anstatt aktiv ( durch Überdruck) Luft einzupumpen (wie Frösche es tun, indem sie den Boden ihrer Mundhöhle auf und ab bewegen) weiten Hunde (wie wir) den Brustkorb ( Rippen nach außen, Zwerchfell nach unten) und erzeugen so einen Unterdruck. Dieser gegenüber dem Umgebungsdruck niedrigere Druck im Brustkorb wird ausgeglichen, indem Luft von oben durch die Nasenlöcher , Nasenhöhle, Rachenhöhle, Kehlkopf und Luftröhre in die Lungenäste und Bronchien einströmt.
Dadurch wird die Lunge aufgeblasen und der druck in der Brusthöhle gleicht sich dem Außendruck an. Das Problem bei der Französischen Bulldogge ist, dass während sie einatmet ein Unterdruck im gesamten Atemwegssystem herrscht. Dies führt zu einem Saugeffekt an den Wänden aller oben genannten Atemwegstrukturen. Je kräftiger der Hund einatmet, desto stärker sind auch die Kräfte, die die Wände der Atemwege nach innen ziehen, sie also verengen. Egal, ob der Hund so schwer atmet, weil er erhitzt ist, getobt oder sich aufgeregt hat, der Zug an den Wänden der Atemwege ist der gleiche. Die meisten Besitzer kurzschnäuziger Rassen wissen nur zu gut, wie leicht ihre Hunde sich überhitzen. Das ist darauf zurückzuführen, dass der größte Teil der überschüssigen Körperwärme durch die Lunge abgegeben wird und dass jede Beeinträchtigung der Atmung den Wärmeabgabeprozess stört.
Aber nur wenige wissen, dass allein schon eine schwere Atmung - egal aus welchem Grund und auch ohne Überhitzung - einen progressiven (fortschreitenden) Atemwegskollaps verursachen und einen Hund mit chronischer Atemwegsblockade ernsthaft schwächen oder sogar zu seinem Tod führen kann.

Abbildung 1 zeigt die verschiedenen Teile der Bully-Atemwege




Abbildung 1: Atemwege einer Französischen Bulldogge
Atem - und Nahrungsweg überkreuzen sich in der Rachehöhle (nicht bezeichnet). Wenn der Hund atmet, befinden sich Kehldeckel und Gaumensegel in der gezeichneten Stellung.
Wenn der Hund aber etwas schluckt, dann biegt sich der Kehldeckel zurück und verschließt so die Kehlkopföffnung ( die so genannte Glottis oder Stimmritze, hier nicht bezeichnet) und gleichzeitig biegt sich das Gaumensegel aufwärts und verschließt so das hintere Ende der Nasenhöhle. Diese beiden Mechanismen verhindern, dass die geschluckte Nahrung in den Kehlkopf (und damit in die Luftröhre) oder in die Nasenhöhle gelangen kann.


Betrachten wir zuerst die Nasenlöcher. Bei einigen Hunden sind die Nasenlöcher groß genug, um ungehinderten Luftstrom zu gewährleisten, bei anderen sind sie verengt. Versuchen Sie, kräftig durch die Nase einzuatmen, und achten Sie dabei darauf, was mit ihrer Nase passiert: Merken Sie, wie die Nasenflügel nach innen gezogen werden, verursacht durch das verstärkte Einatmen? Jetzt versuchen Sie einmal, bei zugehaltener Nase einzuatmen : Fühlen Sie den inneren Sog in Ihrer Nasenhöhle und im Rachen? Bei einem Bully mit kleinen Nasenlöchern verhalten sich die Nasenflügel wie Ventilklappen, die schon durch leichte Anstrengung beim Atmen fest geschlossen werden. Sie können den unterschied in der Atmung bei einem Hund mit offenen und verengten Nasenlöchern deutlich sehen und hören. Je kräftiger der Hund zu atmen versucht, desto mehr schließen sich die Nasenlöcher, und desto mehr werden die Wände der Atemwege nach innen gezogen, verengen sich also.
Sobald die Luft bei einem kurzschnäuzigen Hund durch die Nasenhöhle gelangt ist, trifft sie auf weitere Hindernisse. Hunde mit langer Schnauze haben große Nasenhöhlen mit dünnen, knochigen Fächern, genannt Nasenmuscheln, die von der Seite in die Höhle ragen. Diese Strukturen dienen der Oberflächenvergrößerung in den Nasenhöhlen und helfen dadurch bei der Reinigung und Erwärmung der eingeatmeten Luft. Bei einem Bully aber sind alle inneren Nasenstrukturen auf verschiedene Weise zusammengestaucht, wodurch der Luftstrom von den Nasenlöchern zur Rachenhöhle behindert wird. So kann es auch bei normal großen Nasenlöchern zu einer Blockade des Luftstroms kommen.

Dem Atemwegen weiter folgend, kommen wir als nächstes zum größten Problem kurzschnäuziger Rassen, dem Gaumensegel, welches das hintere Ende der Nasenhöhle von der Mundhöhle trennt.
Manche kurzschnäuzigen Hunde haben im Verhältnis zum verkürzten Schädel angemessen kurzes Gaumensegel, bei vielen ist es jedoch überlang und hängt weit in den Rachen hinein. Dieses überlange Gaumensegel behindert nicht nur den Luftstrom von der Nasenhöhle in den Rachen, sondern kann sogar in die Kehlkopföffnung hineingezogen werden. Das kann wiederum solche, Turbulenzen im Luftstrom verursachen, dass das Gaumensegelgewebe sich entzündet, anschwillt und den Luftstrom so noch stärker blockiert. Ein Warnzeichen für das Vorhandensein eines überlangen Gaumensegels ist, wenn der Hund häufig würgt und schaumigen Speichel spuckt, was normalerweise nicht mit dem erbrechen von Nahrung verbunden ist. Das überlange Gaumensegel wirkt nämlich wie ein Schaumschläger : Wenn der Hund speichelt, schlägt das Gaumensegel Speichel zu Schaum und der Hund würgt ihn hoch, üblicherweise auf den Teppich (weshalb einige von uns nur noch Holzböden und kaum einen Teppich mehr im Haus haben).

Überlange Gaumensegel verursachen allein oder verbunden mit engen Nasenlöchern üblicherweise auch hörbare Atemgeräusche. Es kommt manches bemerkenswerte Schnarchen und röcheln zustande. So allerliebst diese "Bully-Nachtmusik" auch sein mag, sie ist Anzeichen für ein ernstes Gesundheitsproblem.

Von der Nasenhöhle führt der Weg der eingeatmeten Luft durch die Rachenhöhle in den Kehlkopf. Dieser ist eigentlich das obere Ende der Luftröhre. Er ist schachtelartig gebaut und besteht aus mit dünnen Membranen überzogenen Knorpelwänden. Kleine Muskeln ziehen die Seitenwände zusammen oder auseinander und öffnen oder schließen so die Stimmritze (Glottis), die Öffnung zwischen den Stimmbändern, die an diesen Knorpelwänden befestigt sind. Der Kehldeckel (Epiglottis) ist eine Klappe am oberen Ende des Kehlkopfes, die beim Schlucken zurückklappt und die Stimmritze abdeckt, so das keine Nahrung versehentlich in die Luftröhre gelangt. Bei Leuten, die gleichzeitig essen und sprechen, kann der Kehlkopfdeckel seinen Funktion nicht erfüllen : Nahrung gelangt in die Luftröhre und verstopft sie. Wenn ein Hund einen Fremdkörper in seiner Luftröhre hat, der den Luftstrom komplett blockiert, können Sie das heimlich Manöver anwenden.

Indem Sie den Hund auf die Seite legen, Ihre Handflächen an der Letzten Rippe auflegen und viermal kurz und stark pressen. Dann kontrollieren Sie das Maul auf den Fremdkörper und wiederholen gegebenenfalls die Prozedur.

Wichtig : Dieses Manöver dürfen Sie nur bei einer kompletten Atemwegsblockade durch Fremdkörper anwenden (wenn das Herz noch schlägt). Es ist nicht geeignet für die uns allen vertrauten Würg- und Röchelanfälle, bei denen man den Hund am besten in Ruhe lässt. Wenn der Hund noch schnaufen kann, ist die Atemwegsblockade nicht vollständig und das Heimlich Manöver ist nicht anzuwenden!
An dieser Stelle wollen wir nicht weiter auf das Heimlich Manöver eingehen. Wenn Sie nicht damit vertraut sind, besuchen Sie einen Notfallmaßnahmen- und Wiederbelebungskurs, der ist für Mensch wie für Haustiere immer nützlich.

Wenn verengte Nasenlöcher, ein überlanges Gaumensegel oder beides zusammen eine chronische Atemwegsblockade verursachen, führt die verstärkte Anstrengung beim Atmen zu einem permanenten Zug an den Wänden des Kehlkopfes, die nach innen gesogen werden.

Dies hat drei Auswirkungen :

1. Die Kehlkopftaschen werden nach innen gesogen. Diese kleinen Ausstülpungen der Kehlkopfmembran liegen über den Stimmbändern. Durch chronische Atemwegsblockade werden sie statt nach außen nach innen in die Stimmritze gesogen und blockieren so den Luftstrom noch mehr. Nach innen gestülpte Kehlkopftaschen sind nicht nur das Resultat einer chronischen Atemwegsblockade, sie erschweren die Atmung auch noch mehr.

2. Andauernder unterdruck in den Atemwegen zieht die Kehlkopfwände nach innen und lässt sie zusammenfallen. Das führt zu einer weiteren Verengung der Atemwege und erhöht die Anstrengung beim Luftholen. Wie beim verlängerten Gaumensegel führen verstärkte Turbulenzen und Vibrationen zum Anschwellen der Kehlkopfmembran, was die Lage weiter verschlimmert.

3. Die Luftröhre kann bei kurzschnäuzigen Hunden unterentwickelt (hypoplastisch) sein und so ein weiters Atemhindernis darstellen. Wenn die Luftröhre abnorm eng ist, trägt das nicht nur zur allgemeinen Atemblockade bei und verstärkt die Kräfte, die die Atemwegwände nach innen ziehen (also verengen), sondern sie kollabieren auch leichter. Kehlkopf oder Luftröhre können teilweise kollabieren und dadurch Atemnot, Stressanfälligkeit und Überhitzungsprobleme noch verstärken.

Jedes dieser Probleme oder alle drei zusammen können über längere Zeit auftreten, ohne dass der Hundebesitzer die stetige Verschlimmerung durch den Teufelskreis von Atemwegverengung und Atemwegveränderung (die zu weiterer Verengung führt) bemerkt.
Dann völlig unerwartet, hat der Hund einen Atemweginfekt, sein Hals schwillt an oder er regt sich einmal zuviel auf, erhitzt sich oder tobt einmal zuviel - und plötzlich kollabiert die zuvor schon teilkollabierte Luftröhre völlig, oder die nach innen gestülpten Kehlkopftaschen oder das Gaumensegel verstopfen die Stimmritze. Endresultat : Erstickungstod … der, wenn der Besitzer es nicht anders weiß, als "plötzlicher Tod durch Herzversagen" angesehen wird.

Also: Was tun?
Wir haben uns um zwei Dinge zu kümmern: erstens um das Leben und die Gesundheit des individuellen Hundes und zweitens um das Leben und die Gesundheit der Rasse!


Wenden wir uns zunächst dem erstgenannten zu:
Nur ein teil der Atemwege (nämlich die Nasenlöcher) kann ohne Narkose untersucht werden, Gaumensegel und Kehlkopf dagegen nur in Narkose. Darum bleibt dem Besitzer nur, seinen Hund genau zu beobachten :

- Sind die Nasenlöcher zu eng? Kann man sehen und hören, wie die Nasenflügel bei jedem Einatmen im Wege sind?

- Macht der Hund viele röchelnde Geräusche im Mund- und Rachenraum? Schnarcht er viel? (Ich weiß- das ist geradezu ein inoffizieller Bestandteil des Rassestandards).

- Würgt und spuckt der Hund häufig ohne ersichtlichen Grund Schaum?

- Bekommt der Hund auch dann schnell Atemnot, wenn es kühl ist oder er sich nur leicht angestrengt oder aufgeregt hat?

- Überhitzt sich der Hund auch bei gemäßigten Temperaturen leicht?

Wenn Sie eine oder alle dieser fragen mit "Ja" beantwortet haben, sollten Ihr Bully nähr untersucht und - wenn nötig - operiert werden. Dennoch eine Warnung : Einige der Maßnahmen zur Behandlung dieses Syndroms sind nicht einfach. Wenn Ihr Tierarzt viele Bulldoggen als Patient hat, hat er oder sie wahrscheinlich auch viel Erfahrung mit dem brachycephalen Syndrom und ist für die Untersuchung und Behandlung Ihres Hundes gut qualifiziert. Wenn nicht, lassen Sie sich eine Tierklinik empfehlen, die über eine Intensivstation und über Spezialisten für Narkose, operative Eingriffe und operative Nachsorge verfügt. Wenn Sie keine Empfehlung bekommen, fragen Sie Besitzer von Englischen Bulldoggen nach deren Tierarzt. Viele Tierärzte, die selbst erst wenig Erfahrung mit dem brachycephalen Syndrom haben, werden Sie an Kollegen mit der notwendigen Erfahrung verweisen. Bully-Besitzer sollten ein gutes Verhältnis zu ihrem Tierarzt haben, so dass sie ihre Sorgen offen aussprechen können, auch wenn das die Überweisung zu einem anderen Tierarzt bedeutet.

Wenn ernsthafte Atemwegprobleme wahrscheinlich sind, muss der Tierarzt den Hund narkotisieren, um ihn genau zu untersuchen. Die Untersuchung kann zunächst unter leichter Betäubung durchgeführt werden. Wenn sich dabei zeigt, dass ein operativer Eingriff nötig ist, kann die Narkose vertieft und der Eingriff gleich vorgenommen werden, so das Untersuchung und Operation in der gleichen Narkose durchgeführt werden. Jede Narkose beim Bully ist ein Risiko, und zwar umso mehr, wenn der Hund Atemprobleme hat. Darum sollte man einen Bully so selten wie möglich betäuben.
Wenn der Hund zu enge Nasenlöcher, ein zu langes Gaumensegel und nach innen gestülpte Kehlkopftaschen hat, sollten alle diese Probleme in einer Operation behoben werden. Bedenken Sie, dass die
Nasenoperation das Aussehen Ihres Bullys etwas verändert. Das kann zu einem Dilemma führen, wenn Sie den Hund ausstellen. Wenn die Nasenöffnungen allerdings zum großen teil für die Atmungsprobleme verantwortlich sind, werden eine Kürzung des Gaumensegels und die Entfernung der Kehlkopftaschen das Problem nicht lösen, denn die Luftwege sind nur so gut wie ihre Öffnung nach außen. Wenn Sie den Hund nicht ausstellen, ist eine kleine Veränderung der Nase ein geringer preis für einen gesünderen Bully.

A. Keilschnitt



B. Amputation der seitlichen Nasenflügel


Abbildung 2 : Verschiedenen Methoden zur Erweiterung der Nasenlöcher.
Wenn Hauptursache der Atemwegblockade zu enge Nasenlöcher sind, kann die Entfernung eines keilförmigen Gewebestücks aus der Nasenseite oder dem Nasendach ausreichen (ABB.2A).
Wenn die Nasengänge aber bis in die tiefe der Nase den Atemfluss blockieren, so dass der unter A beschriebene Keilschnitt die Nase nicht weit genug öffnet, kann die Amputation der seitlichen Nasenflügel notwendig sein (Abb 2 B.).


Bei der Gaumensegelkürzung muss der Tierarzt besondere Vorkehrungen treffen, um die Atemwege während und nach der Operation offen zu halten. Als erstes sollte der Hund einen Tubus bekommen, der klein genug ist, um dem Operateur im Kehlkopf- und Rachenbereich genug Platz zum arbeiten zu lassen, aber groß genug, um für genügend Luftzufuhr zu sorgen. Jede Manipulation im Rachenraum kann leicht zu starken, plötzlichen Schwellungen führen, die die Luftröhre blockieren können. Deshalb sollte vor der Operation ein starkes, kurzfristig wirksames, entzündungshemmendes Medikament gegeben werden, um Schwellungen während der Operation auf ein Minimum zu begrenzen.

Nach der Operation sollte ein langwirksames entzündungshemmendes Medikament gegen evtl. später auftretenden Schwellungen gegeben werden.
Der Hund sollte bis 24 Stunden nach der Operation sediert und nicht gefüttert oder getränkt werden, gegen Dehydrierung hilft ein intravenöser Tropf.
Um etwaiges würgen zu verhindern, kann ein speichelhemmendes Medikament verabreicht werden. Der Tubus sollte nicht entfernt werden, bevor der Hund sich komplett von der Narkose erholt hat. Der Patient sollte auf dem Bauch liegend gelagert werden, damit sich seine große Zunge nicht den Rachen blockiert. In den ersten Tagen nach der Operation muss der Hund genau beobachtet werden, am besten von jemandem, der ihn notfalls wieder intubieren oder einen Luftröhrenschnitt ausführen kann.
(Bei einem Luftröhrenschnitt wird für begrenzte zeit eine Öffnung an der Halsvorderseite unterhalb des Kehlkopfes in die Luftröhre geschnitten und dadurch ein Tubus eingeführt.)

Wenn das Gaumensegel gekürzt wird, muss es genau das richtige Maß sein. Wenn zu wenig entfernt wird, kann der Luftstrom weiter behindert sein, wenn zuviel entfernt wird, reicht der Rest nicht aus, um die Luftröhre während des Schluckens abzudecken und der Hund wird dazu neigen, Futter und Wasser in die Lunge zu aspirieren. Bedenken Sie, dass es keine markierte Linie gibt, die dem Operateur zeigt, wo er schneiden muss. Es ist in jedem fall besser, zu wenig weg zu schneiden, denn es ist einfacher, später noch mal etwas nach zu schneiden, als ein zu kurzes Gaumensegel wieder zu verlängern.

Die Entfernung der nach innen gestülpten Kehlkopftaschen ist eine kurze Prozedur und wird normalerweise durchgeführt, während die Nasenöffnungen und/oder das Gaumensegel operiert werden.
Die Membranausstülpungen werden mit der Schere weg geschnitten oder verödet. Dieser Vorgang ist relativ unblutig und viel einfacher als die Gaumensegelkürzung. Wenn Nasenöffnung und Gaumensegel früh genug operiert werden, sind die Kehlkopftaschen möglicherweise noch gar nicht nach innen gestülpt und die Korrektur der beiden anderen Probleme sollte das für die Zukunft verhindern.

Wenn verengte Nasenöffnungen und/oder überlanges Gaumensegel zu einem teilweisen Kollaps des Kehlkopfes geführt haben, kann die Korrektur von Gaumensegel, Nasenöffnungen und Kehlkopftaschen einen weiteren Luftröhren - und Kehlkopfkollaps verhindern. Es gibt verschiedene Arten des Kehlkopfkollapses, und obwohl operative Eingriffe in manchen Fällen helfen können, sind sie sehr kompliziert, nicht immer erfolgreich und werden nur als letzte Möglichkeit durchgeführt. Einige Tierärzte empfehlen eine Tracheostomie (dauerhafte Öffnung der Luftröhre durch den Hals) als bevorzugte Behandlungsmethode für den akuten Kehlkopfkollaps. Wir gehen davon aus, dass Bullybesitzer, wenn sie erst einmal auf das Problem aufmerksam gemacht wurden, die Nasenöffnungen und/oder Gaumensegel korrigieren lassen
bevor es zu einem Kehlkopfkollaps kommt.
Ein weiterer Rat: Benutzen Sie keinerlei Halsband bei einem Hund mit Atemwegschwierigkeiten, damit kein zusätzlicher Druck auf die Luftröhre ausgeübt wird. Auch der stiernackenähnlichste Bullyhals kann empfindliche Atemwege enthalten, deshalb ist ein gut angepasstes Brustgeschirr viel besser für den Hund. Und wenigstens ein Bully, der hier ungenannt bleiben soll, hat bewiesen, dass ein Brustgeschirr sogar für die Gehorsamserziehung taugt.

Was bedeutet das brachycephale Syndrom für die Zucht?

Die Wurzel des Übels ist die Kurzschnäuzigkeit. Genetische Studien bei englischen Bulldoggen lassen vermuten, dass das die Länge des Gaumensegels bestimmende Gen ein anderes ist als das, das die Länge des Schädels bestimmt und das ein überlanges Gaumensegel ein Erbstück der langschnäuzigen Vorfahren der Rasse ist. Wenn Züchter beginnen würden, Daten über zu lange Gaumensegel in ihren Linien zu sammeln, könnten wir aufgrund einer solchen Datenbasis herausfinden, ob das Gaumensegelproblem durch selektive Zucht gelöst werden kann. Das Problem ist, dass zur Diagnostik eine Narkose erforderlich ist. Vorschlag : Wann immer ein Bully narkotisiert werden muss, ob für einen Kaiserschnitt, einen kleinen operativen Eingriff, Sterilisation oder Kastration - egal aus welchem Grund, dann sollte der Tierarzt auch gleichzeitig Gaumensegel und Kehlkopf untersuchen. So könnte man ein unerwartetes Problem rechtzeitig entdecken und ernsthafte Kehlkopfschäden verhindern und außerdem Daten sammeln über die tatsächliche Häufigkeit von Atemproblemen bei unserer Rasse.
Wenn Sie unbedingt mit einem Bully züchten wollen, der Atemwegprobleme hat, bemühen Sie sich darum, einen Zuchtpartner zu finden, der keine Atemwegproblem hat.
Und urteilen Sie nicht die Bullys ab, die etwas längere Schnauzen haben. Mein erster Bully, der trotz eines perfekten Körperbaus, hervorragender Ohren und großartiger Haltung nicht in der Zucht eingesetzt wurde, weil seine Schnauze etwas länger als Standardgemäß ist, ist seid 9 Jahren bei bester Gesundheit und hat keine Probleme mit Überhitzung oder Überanstrengung. Und er schnarcht nur selten.

Lebensqualität für einen Bully erfordert problemloses Atmen. Wenn wir uns darum bemühen, sicher zu stellen, das jeder Bullywelpe ein aktives Leben führen kann und das Atemwegsprobleme bei dieser Rasse insgesamt die Ausnahme und nicht mehr die Regel sind, dann werden wir alle durchatmen können …… die Bullys und ihre Freunde.

Dr. Jan Gurr Grebe unterrichtet "Allgemeine Anatomie und Radiologie" für Medizinstudenten in Kansas City, USA.
In ihrer Doktorarbeit und danach befasste sie sich mit "Zoologie, schwerpunktmäßig mit Genetik und Embryologie".
Sie ist seid 1980 Bully-Fan, aber schon seit ihrer Geburt Hunde-Liebhaberin.
Ihre e-mail Adresse lautet : Greebeez@aol.com
(Dieser und weitere Artikel der Autorin finden sich auch in " Healthy Frenchies, an Owner's Manual", einem Handbuch für Halter von Französischen Bulldoggen, das von Becca Williams liebevoll illustriert ist. Es ist bisher nur in englischer Sprache erschienen und wurde 1998 veröffentlicht bei:
ArDesign, Inc.
1324 Sibley Memorial Highway
St. Paul, Minnesota 55150
USA
Die ISBN Nummer ist : 0-9660133-1-X)

Übertragung ins Deutsche von Dr. Marianne Holtkötter, Vera Holtkötter und Rosita Groß

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