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Das
brachycephale Syndrom
von Jan Durr
Grebe (Erstveröffentlichung in
"The French Bullytin", Vol. 7, Sommer 1989)
Wie oft haben Sie schon von einer Französischen
Bulldogge gehört, die jung, plötzlich und ohne Vorwarnung starb und deren
Tod allgemein auf eine "Herzattacke" zurückgeführt wurde? Solche
Todesfälle, die meist dann auftreten, wenn der Hund sich aufregt,
anstrengt oder überhitzt hat, sind gerade deshalb so schrecklich, weil sie
so unerwartet kommen. Zwar stimmt es, dass bei diesen Hunden das Herz
zu schlagen aufhört; aber könnte das nicht auch die Folge einer anderen
Ursache sein? Eine mögliche Ursache für solche Todesfälle kann ein akuter
Atemwegkollaps sein, der seinerseits die Folge einer langwierigen
Atemwegsblockade ist, wie wir sie nur all zu oft bei Französischen
Bulldoggen mit ihren engen Nasenlöchern, zu langen Gaumensegeln und dem
durch starke Faltenbildung und die Wulstzunge beengten Nasen- und
Rachenraum finden.
Um dieses
brachycephale (brachycephal = kurzschädelig) Syndrom zu verstehen (unter
Syndrom versteht man eine reihe von Symptomen, die alle zusammen ein
Krankheitsbild oder eine Abnormität charakterisieren), müssen wir zunächst
betrachten, wie der Atemmechanismus normalerweise funktioniert und
verstehen, wie er bei kurzschnäuzigen Hunden behindert
ist.
Wie wir Menschen, so
ziehen auch Hunde durch die Erzeugung von Unterdruck Luft in die Lunge
ein. Anstatt aktiv ( durch Überdruck) Luft einzupumpen (wie Frösche es
tun, indem sie den Boden ihrer Mundhöhle auf und ab bewegen) weiten Hunde
(wie wir) den Brustkorb ( Rippen nach außen, Zwerchfell nach unten) und
erzeugen so einen Unterdruck. Dieser gegenüber dem Umgebungsdruck
niedrigere Druck im Brustkorb wird ausgeglichen, indem Luft von oben durch
die Nasenlöcher , Nasenhöhle, Rachenhöhle, Kehlkopf und Luftröhre in die
Lungenäste und Bronchien einströmt. Dadurch wird die Lunge aufgeblasen
und der druck in der Brusthöhle gleicht sich dem Außendruck an. Das
Problem bei der Französischen Bulldogge ist, dass während sie einatmet ein
Unterdruck im gesamten Atemwegssystem herrscht. Dies führt zu einem
Saugeffekt an den Wänden aller oben genannten Atemwegstrukturen. Je
kräftiger der Hund einatmet, desto stärker sind auch die Kräfte, die die
Wände der Atemwege nach innen ziehen, sie also verengen. Egal, ob der Hund
so schwer atmet, weil er erhitzt ist, getobt oder sich aufgeregt hat, der
Zug an den Wänden der Atemwege ist der gleiche. Die meisten Besitzer
kurzschnäuziger Rassen wissen nur zu gut, wie leicht ihre Hunde sich
überhitzen. Das ist darauf zurückzuführen, dass der größte Teil der
überschüssigen Körperwärme durch die Lunge abgegeben wird und dass jede
Beeinträchtigung der Atmung den Wärmeabgabeprozess stört. Aber nur
wenige wissen, dass allein schon eine schwere Atmung - egal aus welchem
Grund und auch ohne Überhitzung - einen progressiven (fortschreitenden)
Atemwegskollaps verursachen und einen Hund mit chronischer
Atemwegsblockade ernsthaft schwächen oder sogar zu seinem Tod führen
kann.
Abbildung 1 zeigt die
verschiedenen Teile der Bully-Atemwege

Abbildung 1: Atemwege einer
Französischen Bulldogge Atem - und Nahrungsweg überkreuzen sich in der
Rachehöhle (nicht bezeichnet). Wenn der Hund atmet, befinden sich
Kehldeckel und Gaumensegel in der gezeichneten Stellung. Wenn der Hund
aber etwas schluckt, dann biegt sich der Kehldeckel zurück und verschließt
so die Kehlkopföffnung ( die so genannte Glottis oder Stimmritze, hier
nicht bezeichnet) und gleichzeitig biegt sich das Gaumensegel aufwärts und
verschließt so das hintere Ende der Nasenhöhle. Diese beiden Mechanismen
verhindern, dass die geschluckte Nahrung in den Kehlkopf (und damit in die
Luftröhre) oder in die Nasenhöhle gelangen kann.
Betrachten wir zuerst die Nasenlöcher. Bei einigen
Hunden sind die Nasenlöcher groß genug, um ungehinderten Luftstrom zu
gewährleisten, bei anderen sind sie verengt. Versuchen Sie, kräftig durch
die Nase einzuatmen, und achten Sie dabei darauf, was mit ihrer Nase
passiert: Merken Sie, wie die Nasenflügel nach innen gezogen werden,
verursacht durch das verstärkte Einatmen? Jetzt versuchen Sie einmal, bei
zugehaltener Nase einzuatmen : Fühlen Sie den inneren Sog in Ihrer
Nasenhöhle und im Rachen? Bei einem Bully mit kleinen Nasenlöchern
verhalten sich die Nasenflügel wie Ventilklappen, die schon durch leichte
Anstrengung beim Atmen fest geschlossen werden. Sie können den unterschied
in der Atmung bei einem Hund mit offenen und verengten Nasenlöchern
deutlich sehen und hören. Je kräftiger der Hund zu atmen versucht, desto
mehr schließen sich die Nasenlöcher, und desto mehr werden die Wände der
Atemwege nach innen gezogen, verengen sich also. Sobald die Luft bei
einem kurzschnäuzigen Hund durch die Nasenhöhle gelangt ist, trifft sie
auf weitere Hindernisse. Hunde mit langer Schnauze haben große Nasenhöhlen
mit dünnen, knochigen Fächern, genannt Nasenmuscheln, die von der Seite in
die Höhle ragen. Diese Strukturen dienen der Oberflächenvergrößerung in
den Nasenhöhlen und helfen dadurch bei der Reinigung und Erwärmung der
eingeatmeten Luft. Bei einem Bully aber sind alle inneren Nasenstrukturen
auf verschiedene Weise zusammengestaucht, wodurch der Luftstrom von den
Nasenlöchern zur Rachenhöhle behindert wird. So kann es auch bei normal
großen Nasenlöchern zu einer Blockade des Luftstroms kommen.
Dem
Atemwegen weiter folgend, kommen wir als nächstes zum größten Problem
kurzschnäuziger Rassen, dem Gaumensegel, welches das hintere Ende der
Nasenhöhle von der Mundhöhle trennt. Manche kurzschnäuzigen Hunde haben
im Verhältnis zum verkürzten Schädel angemessen kurzes Gaumensegel, bei
vielen ist es jedoch überlang und hängt weit in den Rachen hinein. Dieses
überlange Gaumensegel behindert nicht nur den Luftstrom von der Nasenhöhle
in den Rachen, sondern kann sogar in die Kehlkopföffnung hineingezogen
werden. Das kann wiederum solche, Turbulenzen im Luftstrom verursachen,
dass das Gaumensegelgewebe sich entzündet, anschwillt und den Luftstrom so
noch stärker blockiert. Ein Warnzeichen für das Vorhandensein eines
überlangen Gaumensegels ist, wenn der Hund häufig würgt und schaumigen
Speichel spuckt, was normalerweise nicht mit dem erbrechen von Nahrung
verbunden ist. Das überlange Gaumensegel wirkt nämlich wie ein
Schaumschläger : Wenn der Hund speichelt, schlägt das Gaumensegel Speichel
zu Schaum und der Hund würgt ihn hoch, üblicherweise auf den Teppich
(weshalb einige von uns nur noch Holzböden und kaum einen Teppich mehr im
Haus haben).
Überlange Gaumensegel verursachen allein oder
verbunden mit engen Nasenlöchern üblicherweise auch hörbare Atemgeräusche.
Es kommt manches bemerkenswerte Schnarchen und röcheln zustande. So
allerliebst diese "Bully-Nachtmusik" auch sein mag, sie ist Anzeichen für
ein ernstes Gesundheitsproblem.
Von der Nasenhöhle führt der Weg
der eingeatmeten Luft durch die Rachenhöhle in den Kehlkopf. Dieser ist
eigentlich das obere Ende der Luftröhre. Er ist schachtelartig gebaut und
besteht aus mit dünnen Membranen überzogenen Knorpelwänden. Kleine Muskeln
ziehen die Seitenwände zusammen oder auseinander und öffnen oder schließen
so die Stimmritze (Glottis), die Öffnung zwischen den Stimmbändern, die an
diesen Knorpelwänden befestigt sind. Der Kehldeckel (Epiglottis) ist eine
Klappe am oberen Ende des Kehlkopfes, die beim Schlucken zurückklappt und
die Stimmritze abdeckt, so das keine Nahrung versehentlich in die
Luftröhre gelangt. Bei Leuten, die gleichzeitig essen und sprechen, kann
der Kehlkopfdeckel seinen Funktion nicht erfüllen : Nahrung gelangt in die
Luftröhre und verstopft sie. Wenn ein Hund einen Fremdkörper in seiner
Luftröhre hat, der den Luftstrom komplett blockiert, können Sie das
heimlich Manöver anwenden.
Indem Sie den Hund
auf die Seite legen, Ihre Handflächen an der Letzten Rippe auflegen und
viermal kurz und stark pressen. Dann kontrollieren Sie das Maul auf den
Fremdkörper und wiederholen gegebenenfalls die Prozedur.
Wichtig :
Dieses Manöver dürfen Sie nur bei einer kompletten Atemwegsblockade durch
Fremdkörper anwenden (wenn das Herz noch schlägt). Es ist nicht geeignet
für die uns allen vertrauten Würg- und Röchelanfälle, bei denen man den
Hund am besten in Ruhe lässt. Wenn der Hund noch schnaufen kann, ist die
Atemwegsblockade nicht vollständig und das Heimlich Manöver ist nicht
anzuwenden! An dieser Stelle wollen
wir nicht weiter auf das Heimlich Manöver eingehen. Wenn Sie nicht damit
vertraut sind, besuchen Sie einen Notfallmaßnahmen- und
Wiederbelebungskurs, der ist für Mensch wie für Haustiere immer
nützlich.
Wenn verengte
Nasenlöcher, ein überlanges Gaumensegel oder beides zusammen eine
chronische Atemwegsblockade verursachen, führt die verstärkte Anstrengung
beim Atmen zu einem permanenten Zug an den Wänden des Kehlkopfes, die nach
innen gesogen werden.
Dies hat drei
Auswirkungen :
1. Die
Kehlkopftaschen werden nach innen gesogen. Diese kleinen Ausstülpungen der
Kehlkopfmembran liegen über den Stimmbändern. Durch chronische
Atemwegsblockade werden sie statt nach außen nach innen in die Stimmritze
gesogen und blockieren so den Luftstrom noch mehr. Nach innen gestülpte
Kehlkopftaschen sind nicht nur das Resultat einer chronischen
Atemwegsblockade, sie erschweren die Atmung auch noch
mehr.
2. Andauernder
unterdruck in den Atemwegen zieht die Kehlkopfwände nach innen und lässt
sie zusammenfallen. Das führt zu einer weiteren Verengung der Atemwege und
erhöht die Anstrengung beim Luftholen. Wie beim verlängerten Gaumensegel
führen verstärkte Turbulenzen und Vibrationen zum Anschwellen der
Kehlkopfmembran, was die Lage weiter verschlimmert.
3. Die Luftröhre kann
bei kurzschnäuzigen Hunden unterentwickelt (hypoplastisch) sein und so ein
weiters Atemhindernis darstellen. Wenn die Luftröhre abnorm eng ist, trägt
das nicht nur zur allgemeinen Atemblockade bei und verstärkt die Kräfte,
die die Atemwegwände nach innen ziehen (also verengen), sondern sie
kollabieren auch leichter. Kehlkopf oder Luftröhre können teilweise
kollabieren und dadurch Atemnot, Stressanfälligkeit und
Überhitzungsprobleme noch verstärken.
Jedes dieser Probleme oder
alle drei zusammen können über längere Zeit auftreten, ohne dass der
Hundebesitzer die stetige Verschlimmerung durch den Teufelskreis von
Atemwegverengung und Atemwegveränderung (die zu weiterer Verengung führt)
bemerkt. Dann völlig unerwartet, hat der Hund einen Atemweginfekt, sein
Hals schwillt an oder er regt sich einmal zuviel auf, erhitzt sich oder
tobt einmal zuviel - und plötzlich kollabiert die zuvor schon
teilkollabierte Luftröhre völlig, oder die nach innen gestülpten
Kehlkopftaschen oder das Gaumensegel verstopfen die Stimmritze.
Endresultat : Erstickungstod … der, wenn der Besitzer es nicht anders
weiß, als "plötzlicher Tod durch Herzversagen" angesehen
wird.
Also: Was tun? Wir haben uns um
zwei Dinge zu kümmern: erstens um das Leben und die Gesundheit des
individuellen Hundes und zweitens um das Leben und die Gesundheit der
Rasse!
Wenden wir uns zunächst dem
erstgenannten zu: Nur ein teil der Atemwege (nämlich die Nasenlöcher)
kann ohne Narkose untersucht werden, Gaumensegel und Kehlkopf dagegen nur
in Narkose. Darum bleibt dem Besitzer nur, seinen Hund genau zu beobachten
:
- Sind die
Nasenlöcher zu eng? Kann man sehen und hören, wie die Nasenflügel bei
jedem Einatmen im Wege sind?
- Macht der Hund
viele röchelnde Geräusche im Mund- und Rachenraum? Schnarcht er viel? (Ich
weiß- das ist geradezu ein inoffizieller Bestandteil des
Rassestandards).
- Würgt und spuckt
der Hund häufig ohne ersichtlichen Grund Schaum?
- Bekommt der Hund
auch dann schnell Atemnot, wenn es kühl ist oder er sich nur leicht
angestrengt oder aufgeregt hat?
- Überhitzt sich der
Hund auch bei gemäßigten Temperaturen leicht?
Wenn Sie eine oder
alle dieser fragen mit "Ja" beantwortet haben, sollten Ihr Bully nähr
untersucht und - wenn nötig - operiert werden. Dennoch eine Warnung :
Einige der Maßnahmen zur Behandlung dieses Syndroms sind nicht einfach.
Wenn Ihr Tierarzt viele Bulldoggen als Patient hat, hat er oder sie
wahrscheinlich auch viel Erfahrung mit dem brachycephalen Syndrom und ist
für die Untersuchung und Behandlung Ihres Hundes gut qualifiziert. Wenn
nicht, lassen Sie sich eine Tierklinik empfehlen, die über eine
Intensivstation und über Spezialisten für Narkose, operative Eingriffe und
operative Nachsorge verfügt. Wenn Sie keine Empfehlung bekommen, fragen
Sie Besitzer von Englischen Bulldoggen nach deren Tierarzt. Viele
Tierärzte, die selbst erst wenig Erfahrung mit dem brachycephalen Syndrom
haben, werden Sie an Kollegen mit der notwendigen Erfahrung verweisen.
Bully-Besitzer sollten ein gutes Verhältnis zu ihrem Tierarzt haben, so
dass sie ihre Sorgen offen aussprechen können, auch wenn das die
Überweisung zu einem anderen Tierarzt bedeutet.
Wenn ernsthafte
Atemwegprobleme wahrscheinlich sind, muss der Tierarzt den Hund
narkotisieren, um ihn genau zu untersuchen. Die Untersuchung kann zunächst
unter leichter Betäubung durchgeführt werden. Wenn sich dabei zeigt, dass
ein operativer Eingriff nötig ist, kann die Narkose vertieft und der
Eingriff gleich vorgenommen werden, so das Untersuchung und Operation in
der gleichen Narkose durchgeführt werden. Jede Narkose beim Bully ist ein
Risiko, und zwar umso mehr, wenn der Hund Atemprobleme hat. Darum sollte
man einen Bully so selten wie möglich betäuben. Wenn der Hund zu enge
Nasenlöcher, ein zu langes Gaumensegel und nach innen gestülpte
Kehlkopftaschen hat, sollten alle diese Probleme in einer Operation
behoben werden. Bedenken Sie, dass die Nasenoperation das Aussehen
Ihres Bullys etwas verändert. Das kann zu einem Dilemma führen, wenn Sie
den Hund ausstellen. Wenn die Nasenöffnungen allerdings zum großen teil
für die Atmungsprobleme verantwortlich sind, werden eine Kürzung des
Gaumensegels und die Entfernung der Kehlkopftaschen das Problem nicht
lösen, denn die Luftwege sind nur so gut wie ihre Öffnung nach außen. Wenn
Sie den Hund nicht ausstellen, ist eine kleine Veränderung der Nase ein
geringer preis für einen gesünderen Bully.
A. Keilschnitt

B. Amputation der seitlichen
Nasenflügel

Abbildung 2 :
Verschiedenen Methoden zur Erweiterung der
Nasenlöcher. Wenn Hauptursache der Atemwegblockade zu enge Nasenlöcher
sind, kann die Entfernung eines keilförmigen Gewebestücks aus der
Nasenseite oder dem Nasendach ausreichen (ABB.2A). Wenn die Nasengänge
aber bis in die tiefe der Nase den Atemfluss blockieren, so dass der unter
A beschriebene Keilschnitt die Nase nicht weit genug öffnet, kann die
Amputation der seitlichen Nasenflügel notwendig sein (Abb 2
B.).
Bei der Gaumensegelkürzung muss
der Tierarzt besondere Vorkehrungen treffen, um die Atemwege während und
nach der Operation offen zu halten. Als erstes sollte der Hund einen Tubus
bekommen, der klein genug ist, um dem Operateur im Kehlkopf- und
Rachenbereich genug Platz zum arbeiten zu lassen, aber groß genug, um für
genügend Luftzufuhr zu sorgen. Jede Manipulation im Rachenraum kann leicht
zu starken, plötzlichen Schwellungen führen, die die Luftröhre blockieren
können. Deshalb sollte vor der Operation ein starkes, kurzfristig
wirksames, entzündungshemmendes Medikament gegeben werden, um Schwellungen
während der Operation auf ein Minimum zu begrenzen.
Nach der Operation
sollte ein langwirksames entzündungshemmendes Medikament gegen evtl.
später auftretenden Schwellungen gegeben werden. Der Hund sollte bis 24
Stunden nach der Operation sediert und nicht gefüttert oder getränkt
werden, gegen Dehydrierung hilft ein intravenöser Tropf. Um etwaiges
würgen zu verhindern, kann ein speichelhemmendes Medikament verabreicht
werden. Der Tubus sollte nicht entfernt werden, bevor der Hund sich
komplett von der Narkose erholt hat. Der Patient sollte auf dem Bauch
liegend gelagert werden, damit sich seine große Zunge nicht den Rachen
blockiert. In den ersten Tagen nach der Operation muss der Hund genau
beobachtet werden, am besten von jemandem, der ihn notfalls wieder
intubieren oder einen Luftröhrenschnitt ausführen kann. (Bei einem
Luftröhrenschnitt wird für begrenzte zeit eine Öffnung an der
Halsvorderseite unterhalb des Kehlkopfes in die Luftröhre geschnitten und
dadurch ein Tubus eingeführt.)
Wenn das Gaumensegel
gekürzt wird, muss es genau das richtige Maß sein. Wenn zu wenig entfernt
wird, kann der Luftstrom weiter behindert sein, wenn zuviel entfernt wird,
reicht der Rest nicht aus, um die Luftröhre während des Schluckens
abzudecken und der Hund wird dazu neigen, Futter und Wasser in die Lunge
zu aspirieren. Bedenken Sie, dass es keine markierte Linie gibt, die dem
Operateur zeigt, wo er schneiden muss. Es ist in jedem fall besser, zu
wenig weg zu schneiden, denn es ist einfacher, später noch mal etwas nach
zu schneiden, als ein zu kurzes Gaumensegel wieder zu
verlängern.
Die Entfernung
der nach innen gestülpten Kehlkopftaschen
ist eine kurze Prozedur und wird normalerweise durchgeführt, während die
Nasenöffnungen und/oder das Gaumensegel operiert werden. Die
Membranausstülpungen werden mit der Schere weg geschnitten oder verödet.
Dieser Vorgang ist relativ unblutig und viel einfacher als die
Gaumensegelkürzung. Wenn Nasenöffnung und Gaumensegel früh genug operiert
werden, sind die Kehlkopftaschen möglicherweise noch gar nicht nach innen
gestülpt und die Korrektur der beiden anderen Probleme sollte das für die
Zukunft verhindern.
Wenn verengte Nasenöffnungen und/oder
überlanges Gaumensegel zu einem teilweisen Kollaps des Kehlkopfes geführt
haben, kann die Korrektur von Gaumensegel, Nasenöffnungen und
Kehlkopftaschen einen weiteren Luftröhren - und Kehlkopfkollaps
verhindern. Es gibt verschiedene Arten des Kehlkopfkollapses, und obwohl
operative Eingriffe in manchen Fällen helfen können, sind sie sehr
kompliziert, nicht immer erfolgreich und werden nur als letzte Möglichkeit
durchgeführt. Einige Tierärzte empfehlen eine Tracheostomie (dauerhafte
Öffnung der Luftröhre durch den Hals) als bevorzugte Behandlungsmethode
für den akuten Kehlkopfkollaps. Wir gehen davon aus, dass Bullybesitzer,
wenn sie erst einmal auf das Problem aufmerksam gemacht wurden, die
Nasenöffnungen und/oder Gaumensegel korrigieren lassen bevor es zu einem Kehlkopfkollaps
kommt. Ein weiterer Rat: Benutzen Sie keinerlei Halsband bei einem Hund
mit Atemwegschwierigkeiten, damit kein zusätzlicher Druck auf die
Luftröhre ausgeübt wird. Auch der stiernackenähnlichste Bullyhals kann
empfindliche Atemwege enthalten, deshalb ist ein gut angepasstes
Brustgeschirr viel besser für den Hund. Und wenigstens ein Bully, der hier
ungenannt bleiben soll, hat bewiesen, dass ein Brustgeschirr sogar für die
Gehorsamserziehung taugt.
Was bedeutet
das brachycephale Syndrom für die Zucht?
Die Wurzel des Übels ist die Kurzschnäuzigkeit.
Genetische Studien bei englischen Bulldoggen lassen vermuten, dass das die
Länge des Gaumensegels bestimmende Gen ein anderes ist als das, das die
Länge des Schädels bestimmt und das ein überlanges Gaumensegel ein
Erbstück der langschnäuzigen Vorfahren der Rasse ist. Wenn Züchter
beginnen würden, Daten über zu lange Gaumensegel in ihren Linien zu
sammeln, könnten wir aufgrund einer solchen Datenbasis herausfinden, ob
das Gaumensegelproblem durch selektive Zucht gelöst werden kann. Das
Problem ist, dass zur Diagnostik eine Narkose erforderlich ist. Vorschlag
: Wann immer ein Bully narkotisiert werden muss, ob für einen
Kaiserschnitt, einen kleinen operativen Eingriff, Sterilisation oder
Kastration - egal aus welchem Grund, dann sollte der Tierarzt auch
gleichzeitig Gaumensegel und Kehlkopf untersuchen. So könnte man ein
unerwartetes Problem rechtzeitig entdecken und ernsthafte Kehlkopfschäden
verhindern und außerdem Daten sammeln über die tatsächliche Häufigkeit von
Atemproblemen bei unserer Rasse. Wenn Sie unbedingt mit einem Bully
züchten wollen, der Atemwegprobleme hat, bemühen Sie sich darum, einen
Zuchtpartner zu finden, der keine Atemwegproblem hat. Und urteilen Sie
nicht die Bullys ab, die etwas längere Schnauzen haben. Mein erster Bully,
der trotz eines perfekten Körperbaus, hervorragender Ohren und großartiger
Haltung nicht in der Zucht eingesetzt wurde, weil seine Schnauze etwas
länger als Standardgemäß ist, ist seid 9 Jahren bei bester Gesundheit und
hat keine Probleme mit Überhitzung oder Überanstrengung. Und er schnarcht
nur selten.
Lebensqualität für einen
Bully erfordert problemloses Atmen. Wenn wir uns darum bemühen, sicher zu
stellen, das jeder Bullywelpe ein aktives Leben führen kann und das
Atemwegsprobleme bei dieser Rasse insgesamt die Ausnahme und nicht mehr
die Regel sind, dann werden wir alle durchatmen können …… die Bullys und
ihre Freunde.
Dr. Jan Gurr
Grebe unterrichtet "Allgemeine Anatomie und Radiologie" für
Medizinstudenten in Kansas City, USA. In ihrer Doktorarbeit und danach
befasste sie sich mit "Zoologie, schwerpunktmäßig mit Genetik und
Embryologie". Sie ist seid 1980 Bully-Fan, aber schon seit ihrer Geburt
Hunde-Liebhaberin. Ihre e-mail Adresse lautet :
Greebeez@aol.com (Dieser und weitere Artikel der Autorin finden sich
auch in " Healthy Frenchies, an Owner's Manual", einem Handbuch für Halter
von Französischen Bulldoggen, das von Becca Williams liebevoll illustriert
ist. Es ist bisher nur in englischer Sprache erschienen und wurde 1998
veröffentlicht bei: ArDesign, Inc. 1324 Sibley Memorial
Highway St. Paul, Minnesota 55150 USA Die ISBN Nummer ist :
0-9660133-1-X)
Übertragung ins Deutsche von Dr. Marianne
Holtkötter, Vera Holtkötter und Rosita Groß
(C) Copyright
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